Das Schreckgespenst „Drahtlose Zutrittskontrolle“

Der Markt für drahtlose und cloudbasierte Zutrittstechnologien hat noch viel Luft nach oben. Vor allem Endkunden sind misstrauisch bezüglich der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit solcher Systeme. Dabei bieten diese Anlagen im Alltag zahlreiche Vorteile. Mit den richtigen Informationen können Fachbetriebe bei ihren Kunden Bedenken ausräumen und Mehrwerte schaffen.

Die Zahl der drahtlosen Zutrittskontrollsysteme wächst zwar seit ein paar Jahren, doch ihr Anteil am Gesamtvolumen ist immer noch verschwindend gering. Aktuell sind nur sechs Prozent der installierten elektronischen Zutrittssysteme vollständig drahtlos, der Anteil der gemischten Anlagen aus verkabelten und drahtlosen Komponenten beträgt 31 Prozent. Monteure und Fachbetriebe sehen mittlerweile in der Drahtlos-Technologie einen Gewinn. Kein Wunder, denn drei Viertel der befragten Dienstleister halten die Installation solcher Lösungen heute für einfacher, schneller und kostengünstiger als die Montage kabelgebundener Zutrittskontrollen. Allerdings fällt es ihnen schwer, ihre skeptischen Kunden davon zu überzeugen. Denn die Vorteile und Risiken schätzen beide Seiten sehr unterschiedlich ein. Viele Bedenken beruhen dabei nicht unbedingt auf realen Erfahrungen, sondern eher auf Vermutungen, die durch Hörensagen und allgemeine Berichterstattung entstanden sind.

Grafik_Monteure-Integratoren_ZK

Sicherheitsbedenken bei drahtlosen Systemen

Häufig von Endkunden in Frage gestellt werden die Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Funktionalität drahtloser Lösungen. Weniger als die Hälfte der befragten Teilnehmer meinte, dass drahtlose Systeme geringere Betriebskosten verursachen, umweltfreundlicher sind oder Stromkosten sparen. Der Betrieb einzelner Zutrittskomponenten mit Batterien wird offenbar nicht als gleichwertig funktional oder wirtschaftlich effizient angesehen. Auch Sicherheitsbedenken werden immer wieder vorgebracht: Nur ein Drittel der Befragten hält drahtlose Zutrittskontrolle im Vergleich zu verkabelten Systemen für genauso sicher oder sicherer. Auffallend ist außerdem, dass jeder Dritte ein „hohes Risiko von Ausfallzeiten“ fürchtet. Hinsichtlich der Verfügbarkeit und der Stabilität des Funknetzwerks herrschen also einige Zweifel.

Integration und Kompatibilität durch Standards

Obwohl der größte Teil der Dienstleister im Bereich Sicherheitstechnik von den Vorteilen der drahtlosen Zutrittskontrollsysteme überzeugt ist, gibt es auch hier Vorbehalte: 43 Prozent der Fachleute gaben an, dass sie sich eher für drahtlose Komponenten entscheiden würden, wenn die Integration in bestehende Zutrittskontrollsysteme leichter wäre. Dabei finden es nahezu alle Befragten wichtig, Zutrittskontrollsysteme in andere Sicherheitsanlagen zu integrieren. Damit liegen sie auf einer Linie mit ihren Kunden: Auch für diese spielen integrative Lösungen mit offenen Standard-Schnittstellen eine große Rolle. Denn während in der Vergangenheit die Zutrittskontrollen oft proprietäre Sicherheitssysteme waren, sind sie heute immer stärker integraler Bestandteil ganzheitlicher Sicherheitslösungen, die individuell auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind.

Ebenfalls ins Gewicht fallen die Punkte Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit zu einzelnen Lieferanten. Der einfachste, kosteneffizienteste Weg in Richtung integrierter Systeme ist die Entwicklung von Geräten und Technologien auf offenen Plattformen und nach anerkannten Standards, wie dem OSS-Standard Offline (OSS-SO) der OSS-Association. Mit Standards ist es einfacher, in einem bestehenden System einzelne Komponenten von einem Lieferanten durch die eines anderen zu ersetzen, wenn es beispielsweise Liefer- oder Qualitätsprobleme gibt. So hat im Rahmen des OSS-Standards zwar jeder Hersteller seine eigene Vorgehensweise beim Beschreiben und Lesen der Karten. Doch beim Installieren von Offline-Schlössern von Marken, die dem OSS-SO entsprechen, ist den Kunden Interoperabilität garantiert.

Grafik_INtegration_ZK

Pro und Kontra externe Cloud

Ähnlich kontrovers wie bei den drahtlosen Systemen ist die Meinung zur Datenverwaltung per Cloud. Generell ist eine Cloud durch den Fernzugriff über eine einheitliche Schnittstelle besonders bei der Verwaltung mehrerer Standorte hilfreich. Ob aber die Vor- oder die Nachteile einer externen Cloud im Vergleich mit der hausinternen Verwaltung überwiegen, beurteilen Unternehmen je nach ihrer eigenen Situation sehr verschieden. Dennoch gibt es einen erkennbaren Trend: Das Outsourcing der IT gerade mit Komplettlösungen wie „Access Control as a Service“ (ACaaS oder Zutrittskontrolle als Dienstleistung) wird immer beliebter. Die ACaaS ist eine von einem externen Dienstleister betriebene Softwareanwendung, welche die Daten in dessen Rechenzentrum hostet und speichert. Dabei wird der gesamte Datenbetrieb des Kunden mit Speicherung, Verwaltung und Kontrolle also an einen Drittanbieter ausgelagert. Marktschätzungen gehen in diesem Bereich von jährlichen Wachstumsraten über 20 Prozent aus.

Private Cloud-Nutzung fest etabliert

Eine Ursache für diese Entwicklung ist sicher die weit verbreitete private Nutzung von Clouds, was die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich erhöht. Menschen auf der ganzen Welt nutzen heute Cloud-Dienste wie OneDrive, Dropbox, Google Drive oder Apple iCloud, um ihre Daten sicher online zu speichern, denn einfacher und komfortabler geht es kaum. Statt Daten lokal zu speichern und sich selbstständig um die Datensicherung zu kümmern, legt der Anwender seine Daten in die Wolke und kann von überall und meistens geräteunabhängig darauf zugreifen. Was zu Beginn von Cloud-Lösungen oftmals mit Zweifeln hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz verbunden war, hat sich indessen relativiert. Professionell und in Hochsicherheitsrechenzentren gehostete Daten gewähren einen höheren Schutz als Daten, die nur lokal auf einem PC mit Internetanschluss und einer Freeware-Firewall oder einem Virenscanner gesichert sind.

Komplexe IT fordert Know-how

In den Unternehmen hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden: Früher wurden Sicherheitslösungen wie beispielsweise Zutrittskontrollsysteme in einem eigenen autarken Netz- bzw. Bussystem betrieben, ohne Zugriff auf ein offenes Netzwerk oder ein Netz mit Internetzugang. Aufgrund der zunehmenden IP-Fähigkeit der Geräte liefen die Systeme dann über das Standard-Firmennetzwerk. Damit sind aber der Zugriff und die Sicherheit der Systeme abhängig vom Sicherheitsstand und den Sicherheitsmaßnahmen der unternehmensinternen IT-Infrastruktur. In diesem Fall bietet es sich geradezu an, Sicherheitslösungen nach außen in qualifiziert gemanagte Cloud-Lösungen zu verlagern, wie bei ACaaS.

Die Vorteile für die Unternehmen liegen auf der Hand: Erhöhung der Datensicherheit durch professionelles Security-Management, bessere Performance und eine sichergestellte Datenverfügbarkeit durch definierte Service Level Agreements sowie ein geräte- und ortsunabhängiger Zugriff für eine einfachere Verwaltung der Sicherheitslösung. Mit ACaaS lassen sich außerdem Kapazitäten rasch vergrößern oder verringern. Nutzen Unternehmen dagegen ihre eigenen Ressourcen für eine interne Cloud, nehmen sie höhere Kosten und geringere Flexibilität in Kauf. Noch dazu fallen die Vorteile einer kompletten Auslagerung wie die geringere Aufgabenlast für die IT-Abteilung weg. Andererseits gibt das Unternehmen bei externen Cloud-Lösungen die Kontrolle über die eigenen Daten und die Internetsicherheit an einen Dritten ab.

Outsourcing braucht Vertrauen

Den Zwiespalt zwischen interner und externer IT zeigt auch die Studie: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sehen in automatischen Software-Aktualisierungen einen großen Vorteil für die Internetsicherheit. Im Gegenzug fürchten rund zwei von fünf Befragten bei Drittanbietern einen schlechten Service und sehen die Abgabe der Kontrolle über Daten und Internetsicherheit als Nachteil. Das heißt: Ohne Vertrauen gegenüber den externen IT-Dienstleistern und ihren Leistungsversprechen, Sicherheitsstandards und -prozessen funktioniert es nicht. Fragen wie „Wo liegen unsere Daten? Wie sind diese gesichert? Wer kann alles darauf zugreifen?“ müssen beantwortet werden. Ferner bestehen Bedenken, dass individuelle Unternehmensbedürfnisse und Anforderungen in der Cloud nicht so umgesetzt werden können wie auf eigenen Servern.

Fazit

Zusammengefasst: Neue Technologien wecken sowohl Begeisterung als auch Skepsis. Will ein Dienstleister seine Kunden von der Drahtlos-Technik überzeugen, muss er nicht nur seine eigenen Vorteile, sondern vor allem die Mehrwerte aus Kundenperspektive kennen und vermitteln. Dabei ist es wichtig, bestehende Vorurteile durch anschauliche Gegenbeispiele entkräften zu können. Letztendlich kann ein Gesamtpaket aus geeigneten Produkten, gutem Service des Fachbetriebs und zuverlässigen externen Partnern den Absatz von Drahtlos-Lösungen in Zukunft weiter steigern. 

Kommentare

Informationen zu unseren Produkten

ASSA ABLOY News

Jetzt abonnieren

Sie haben Fragen?